Theater, das die Welt braucht

Auch dieses Jahr versammelt das Berliner Theatertreffen die zehn bemerkenswertesten Inszenierungen. Eine davon kenne ich bereits von meiner Nachtkritik aus Wien; sie gehört zu meinen absoluten Favoriten des Jahres 2017. Für die Berliner Zeitung habe ich noch mal aufgeschrieben warum:

Ist die Welt krank, oder bin ich es? Kaum einer kann diese Frage besser bespielen als Joachim Meyerhoff. Aufgewachsen in der elterlichen Psychiatrie, hat er diese Erfahrung in autobiografischen Büchern verarbeitet. Hier verkörpert er den Autor Thomas Melle, der diesem tragischen Zwiespalt ausgesetzt ist. Melle ist bipolar, sein Leben pendelt zwischen Kopf-in-den-Wolken und Kopf-in-der-Schlinge. Drei Stunden lang spielt sich Meyerhoff, der zu den im positiven Sinn verhaltensauffälligsten Schauspielern der Gegenwart zählt, in Jan Bosses Inszenierung selbst an die Wand, den Pingpongtisch, das Ariadnelabyrinth. Die Welt ist krank, und Hoffnung lauert überall, wo so Theater gemacht wird.

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