Lars Eidinger is amused

Eine Reihe hinter mir hatte Lars Eidinger mindestens so viel Spaß wie bei seinen eigenen Stücken. Wem außer Herbert Fritsch gelingt dieses Kunststück? Für Nachtkritik habe ich mir dessen Theatertreffen-prämierte Inszenierung “Pfusch” angesehen.

Falk Richter is not amused

Es war ein verhältnismäßig schwacher Stückemarkt-Jahrgang beim diesjährigen Theatertreffen. Mit der Wahl des Siegers war nicht nur der Regisseur Falk Richter unzufrieden, sondern auch ich. Statt 12 000 Babykatzen hätte ich mir das Stück über ein Sneakermausoleum auf dem ersten Platz gewünscht. Das Leben ist kein Wunschkonzert. Manchmal ist Theater wie Cat Content: Obwohl man es gerne mögen würde, nervt es. Der Rest steht bei Nachtkritik.

Das verflixte 53. Jahr

In diesem Jahr ging beim Theatertreffen so einiges schief. Von den zehn bemerkenswerten Inszenierungen konnten nur acht in Berlin gezeigt werden und für eine weitere gab es ein Kartenkontingent so klein wie eine Volksbühnen-Streichholzschachtel. Was soll’s, dachten sich die Verantwortlichen, und zeigten den Hamburger “Schimmelreiter” als szenische Lesung mit Musik. Immerhin letztere stimmte meine Begleitung und mich versöhnlich. So oft kommt man schließlich nicht in den Genuss eines dreißigminütigen Klaviersolos. Wie wir dämmerten, steht bei Nachtkritik.

Die jungen Leute mögen es cool

Noch ein angry white man, der sich zur Volksbühnen-Debatte meldet? Michael Schindhelm hat einen Roman geschrieben aus der Perspektive eines Chefdramaturgen kurz vorm Renteneintritt. Schauplatz ist unübersehbar jenes Theater, das gerade die deutschsprachigen Feuilletons aus dem Konzept bringt. Oder handelt es sich bei “Letzter Vorhang” um eine Realsatire? So oder so: Meine Sympathie für den Castorf-Nachfolger Chris Dercon ist mit jeder gelesenen Seite gewachsen. Liegt vielleicht auch daran, dass ich jung bin und es cool mag.

Es kann nicht immer Erdbeerprosecco sein

Aus der beliebten Serie “Getränke, die wir ironisch zu uns nehmen”: Skinny Bitch, ein Relikt aus den Neunzigern, das im Zuge von Germany’s next Topmodel und Fashion-Week-Parties in Berlin-Mitte ein trauriges Revival feiert. Für die Zeit habe ich über den Zusammenhang von Frauenbäuchen und Sternenhimmeln nachgedacht.

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Nie wieder Pflichtlektüre

… dachte ich mir nach Abschluss der dreizehnten Klasse. Da hatte ich die Rechnung ohne Nikolaus Habjan gemacht, der mir am Volkstheater seine furchtbar unzeitgemäße Interpretation des von Haus aus unzeitgemäßen “Nathan der Weise” zugemutet hat. Der ungezogene Teil in mir hat ununterbrochen gegähnt. Der pflichtbewusste diese Nachtkritik geschrieben.

Urgute Blowjobs

Stefanie Sargnagel ist Expertin für abseitige Themen und nicht umsonst das Darling des Wiener Kulturbetriebs (auch wenn sie selbst es sicher anders formulieren würde). In ihrem ersten Theaterstück “Ja, eh! Beisl, Bier und Bachmannpreis” geht es neben “urguten Blowjobs” auch um  strähnige Stirnfransen vernachlässigter Kinder, Kopfhaare im Intimbereich und bezahlte Schreibaufträge. Einen solchen habe ich für die Welt erfüllt.

Ich will Liebe zu dritt

sangen Stereo Total und nahmen damit einen gesellschaftlichen Trend vorweg. “Wie wir lieben”, “What love is”, “Offen lieben” – wo kommen bloß all die Bücher über offene Beziehungen her? Lesen wollen sie alle, leben nur wenige. Für die Welt am Sonntag habe ich mich durch den Stapel an neuer und alter Ratgeberliteratur zum Thema Polyamorie gelesen.

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Die Droge Theater

Timothy Leary? Das war doch dieser Typ, der LSD für alle forderte. In Susanne Kennedys Stück “Die Selbstmord Schwestern” begleitet er die Zuschauer auf ihrem Theatertrip. Auch sonst steht die Regisseurin Bewusstseinserweiterung aufgeschlossen gegenüber. Erst kürzlich war sie in Mexico, wo sie sich für Totenrituale und Ayahuasca begeisterte, ebenso wie für den schwäbischen Karneval. Bald geht sie von München nach Berlin. Für die Welt habe ich sie in den Kammerspielen getroffen.