Fleckenfreies Kunstblut

Letztes Jahr hatte ich das Glück, an den Münchner Kammerspielen einen ganz und gar ungewöhnlichen “Hamlet” zu sehen. Wir saßen in der zweiten Reihe – oder war es die erste? – also nicht weit genug hinten, um vom Kunstblut verschont zu bleiben. Und ja, es fließt, tropft und spritzt viel Kunstblut in dieser Inszenierung, die Süddeutsche Zeitung spricht von 240 Litern. Nach dem Stück kamen wir mit einer Bühnenmitarbeiterin ins Gespräch – oder war es die Requisiteurin Dagmar Dudzinski persönlich? – die mit ein bisschen Wasser sämtliche Flecke aus unserer Kleidung entfernte. Ich fand ja, dass das Kunstblut nach Lebkuchen roch, tatsächlich basiert das Spezialrezept auf Roter Bete. Anlässlich des Berliner Theatertreffens durfte ich nun den Regisseur der “Hamlet”-Inszenierung für die Welt porträtieren. Bei der Vorabrecherche bin ich auf einen meiner eigenen Texte gestoßen, in dem eine frühere Inszenierung von Christopher Rüping nicht ganz so gut wegkommt. Seine “Trommeln in der Nacht” hingegen mochte ich wieder. So ist das bei einem Künstler, der sich für jede Arbeit neu erfindet.

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Rote-Bete-Massaker: die Bühne der Münchner Kammerspiele nach Christopher Rüpings “Hamlet”-Inszenierung

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