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K.U.N.S.T.K.A.C.K.E.

Jonathan Meese, das ist der Typ mit den Mummy Issues. Tatsächlich bin ich seiner Mutter in der Pause von “Mondparsifal 1-8 Erzmutterz der Abwehrz)” auf der Damentoilette begegnet. Was ich sonst noch alles sah und hörte, steht bei Nachtkritik.

Sexy im Kontrapost

Ein Weltstar macht noch keinen gelungenen Theaterabend. Für die Welt habe ich mich bei “Obsession” gelangweilt, einer Adaption des gleichnamigen Films von Visconti. Oft steht Jude Law im Kontrapost ansehnlich in der Gegend herum. Ob das mit “griechische Tragödie” gemeint war?

Lars Eidinger is amused

Eine Reihe hinter mir hatte Lars Eidinger mindestens so viel Spaß wie bei seinen eigenen Stücken. Wem außer Herbert Fritsch gelingt dieses Kunststück? Für Nachtkritik habe ich mir dessen Theatertreffen-prämierte Inszenierung “Pfusch” angesehen.

Falk Richter is not amused

Es war ein verhältnismäßig schwacher Stückemarkt-Jahrgang beim diesjährigen Theatertreffen. Mit der Wahl des Siegers war nicht nur der Regisseur Falk Richter unzufrieden, sondern auch ich. Statt 12 000 Babykatzen hätte ich mir das Stück über ein Sneakermausoleum auf dem ersten Platz gewünscht. Das Leben ist kein Wunschkonzert. Manchmal ist Theater wie Cat Content: Obwohl man […]

Das verflixte 53. Jahr

In diesem Jahr ging beim Theatertreffen so einiges schief. Von den zehn bemerkenswerten Inszenierungen konnten nur acht in Berlin gezeigt werden und für eine weitere gab es ein Kartenkontingent so klein wie eine Volksbühnen-Streichholzschachtel. Was soll’s, dachten sich die Verantwortlichen, und zeigten den Hamburger “Schimmelreiter” als szenische Lesung mit Musik. Immerhin letztere stimmte meine Begleitung […]

Mama, ich bin im Radio

Für Deutschlandfunk Kultur habe ich die Premiere von René Polleschs “Carol Reed” im Wiener Akademietheater besprochen. Aufregend, wenn Wörter zum ersten Mal gesprochen statt gelesen werden. Danach war der Abend noch nicht zu Ende. Wie es weiterging, steht bei Nachtkritik.

Nie wieder Pflichtlektüre

… dachte ich mir nach Abschluss der dreizehnten Klasse. Da hatte ich die Rechnung ohne Nikolaus Habjan gemacht, der mir am Volkstheater seine furchtbar unzeitgemäße Interpretation des von Haus aus unzeitgemäßen “Nathan der Weise” zugemutet hat. Der ungezogene Teil in mir hat ununterbrochen gegähnt. Der pflichtbewusste diese Nachtkritik geschrieben.

Urgute Blowjobs

Stefanie Sargnagel ist Expertin für abseitige Themen und nicht umsonst das Darling des Wiener Kulturbetriebs (auch wenn sie selbst es sicher anders formulieren würde). In ihrem ersten Theaterstück “Ja, eh! Beisl, Bier und Bachmannpreis” geht es neben “urguten Blowjobs” auch um  strähnige Stirnfransen vernachlässigter Kinder, Kopfhaare im Intimbereich und bezahlte Schreibaufträge. Einen solchen habe ich für […]

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Die Droge Theater

Timothy Leary? Das war doch dieser Typ, der LSD für alle forderte. In Susanne Kennedys Stück “Die Selbstmord Schwestern” begleitet er die Zuschauer auf ihrem Theatertrip. Auch sonst steht die Regisseurin Bewusstseinserweiterung aufgeschlossen gegenüber. Erst kürzlich war sie in Mexico, wo sie sich für Totenrituale und Ayahuasca begeisterte, ebenso wie für den schwäbischen Karneval. Bald geht […]

Der Rest vom Fest

“Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich” – so wie den Figuren in Ödön von Horvaths Stück “Kasimir und Karoline” geht es auch manchem Partygast. Hat sich daran am Ende der Veranstaltung nichts geändert, nimmt man halt, was man kriegen kann. Für Nachtkritik habe ich mitgelitten. 

Da muss man sich halt auch mal helfen lassen

Hilfe annehmen ist Schwerstarbeit. Der Autor Thomas Melle ist bipolar und besonders in seinen manischen Phasen recht unerreichbar für die Ratschläge anderer Leute. Wie nah dieser Leidende dem Abgrund ist, ja, dass er im Prinzip schon unzählige Male “auf der anderen Seite” war, von wo ihn Abbas “Fernando” zurück ins Leben holte (allein dieser Szene […]

Für guten Wind

Gibt es Gründe, einen zweieinhalbtausend Jahre alten Stoff heute noch aufzuführen? Die gibt es. Noch immer erzählen die antiken Tragödien, was Menschsein ausmacht. Also Furcht, Liebe, Hass, das volle Programm. Was nicht heißt, dass dem zeitgenössischen Zuschauer nicht manches an Aischylos’ Werk  völlig verkehrt vorkommt, etwa die Tatsache, dass König Agamemnon seine Tochter opfert, um bei den […]

SMS in den Elfenbeinturm

Der 1975 geborene Daniel Kehlmann befasst sich gern mit der Vergangenheit. Auch hat er ein Problem mit Mobiltelefonen und dem Internet. Jetzt hat er ein neues Stück geschrieben, das auf eine fast schon rührende Art vierzig Jahre zu spät kommt. Warum, steht in meiner Welt-Kritik zu “Heilig Abend” im Theater an der Josefstadt.

Ich kenn mich nicht mehr aus

… sagt der Österreicher, wenn er wirklich lost ist. So ging es mir bei Lisa Lies “Kaspar Hauser”, dessen Premiere im Schauspielhaus ich für Nachtkritik besprochen habe. Und das, obwohl ich einige Tage zuvor mit der Regisseurin spazieren war. Am Ende ihrer Inszenierung trotzdem nur Fragezeichen in Gurkenform, Plem-Plem Ugu-Aga Balla-Balla und ein neues Lied für die […]

Ibsen auf Aquavit

Aus Norwegen kommt der Begriff der Stunde: hygge bedeutet mollig, warm, gemütlich, das Gefühl einer Tasse heiße Schokolade vor dem offenen Kamin. Das Theater der Norwegerin Lisa Lie ist das Gegenteil davon, bekloppt und brachial, eine Medizin, die einen durchschüttelt, bevor man sie ausspuckt. Für die Welt habe ich die Regisseurin und ihren Sohn auf einen […]

Denkt sie an Europa in der Nacht, ist sie um den Schlaf gebracht

Man nehme fünf zeitgenössische, dem Deutschleistungskurs entwachsene Stimmen, die Frauen sind und Europäerinnen, und stelle ihnen folgende Aufgabe: „Erörtern Sie den gegenwärtigen Zustand Europas mit Blick auf die europäische Idee am Beispiel der sogenannten Flüchtlingskrise.“ Herausgekommen ist ein ziemlich behäbiges “Europäisches Abendmahl”, bei dessen Uraufführung am Akademietheater ich mich für die Welt gelangweilt habe. Immerhin: Solange es […]

Mi-mi-mi, man hat ja völlig den Überblick verloren

So sind sie, die Angehörigen des Kulturprekariats: Nie den vollen Durchblick, trotz Google Maps. Immer nie kein Geld, aber trotzdem gut gekleidet. Immer ein bisschen am Jammern, aber trotzdem in Partylaune. Immer leicht gebeugte Knie, damit sie sich nicht den Kopf an der gläsernen Decke stoßen. Für Nachtkritik habe ich zugehört, was der Stern in […]

Master of Inszenierung

Heute wäre Ludwig II der perfekte Popstar. Als Maskottchen eines Musicalhauses macht er sich ebenso gut wie als Bierdeckelmotiv. Am Wiener Akademietheater inszeniert ihn Bastian Kraft als Playmobilschlosskönig. Das Ende ist nass. Ich habe für die Welt zugesehen.

Strobo im Kopf

Mit der zweistündigen Uraufführung von Clemens Setz’ Stunde zwischen Frau und Gitarre verhält es sich wie mit den tausend Seiten des Romans: Man hält sie aus. Die ersten zwanzig Minuten gezwungenermaßen mit geschlossenen Augen. Wie sich das anfühlt, steht in der Welt.

Schlagt ihn tot, den Hund, er ist ein Regisseur

Für Traffic News To Go habe ich einen Blick auf die Spielpläne der neuen Theatersaison geworfen.   Der Trend, literarische Vorlagen auf die Bühne zu bringen, bleibt uns erhalten. Man muss es nicht so halten wie der in seiner Autobiografie klagende Hubert Fichte: “Ich würde gerne ins Theater gehen, wenn ich einen Freund hätte, der […]

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Im Keller

Für das Wiener Magazin Stadtform habe ich einen Text über Immersives Theater geschrieben. Theater, das den Zuschauer zum Mitmachen zwingt, wenn man so will ein Mitmachtheater. Macht das Spaß? Nicht immer. Bringt einen das weiter? Unbedingt. Dass sowohl Signas Us Dogs/Wir Hunde – über das ich auch für Nachtkritik berichtet habe – als auch Thomas […]

Balkan

Zusammen am Balkan

Perspektivenwechsel: Statt in den Zuschauerreihen zu sitzen, schaue ich ausnahmsweise dem Ensemble über die Schulter. Von hier aus kann ich den Schriftzug “Ensemble à Paris” auf Rebeccas Handgelenk lesen. Für Nachtkritik bin ich in den Operndolmuş der Komischen Oper Berlin gestiegen. Von Wien ging die Reise nach Belgrad, Sofia und Istanbul. Flirts mit der kroatischen Staatsmacht und […]

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Hello Bello

Manchen Herrchen wird eine gewisse Ähnlichkeit mit ihren Hunden nachgesagt. Wie weit es mit der Verschmelzung gehen kann, zeigt die neueste Produktion des Performancekollektivs Signa.  Für Nachtkritik war ich bei “Wir Hunde/Us Dogs” und habe Menschen, mit denen ich sonst Kaffee trinken gehe, den Kopf gekrault und mir von anderen die Hand lecken lassen. (Das Foto […]