All posts filed under ‘Buch

„Die Realität war ruiniert, für immer“

Hätte man Gretchen Morgenthau gerne zur Freundin? Mit dem ihr eigenen Akzent der Londoner Upperclass: I would prefer not to. Als Theaterbegleitung hingegen schon. Anstatt die lästige Zeit zwischen den Pausengetränken vor sich hinzudämmern, fiebert diese Ms. Morgenthau mit, als ginge es um ihr Leben. Anstatt hinterher zu überlegen, wo man Canapés essen geht, diskutiert […]

Eh keine Quarterlife Crisis

9.10.2015: Ich mag Interviews. Man darf die ganze Zeit reden, ohne darauf zu achten, dem andern auch zuzuhören, und es ist voll okay. Mit diesem Wissen habe ich Stefanie Sargnagel zum Interview in Berlin-Mitte-Mitte getroffen. Anlass war ihr neues Buch “Statusmeldungen”, das aus Facebook-Posts wie dem eingangs zitierten besteht. Am Tag unseres Treffens trug sie […]

Die jungen Leute mögen es cool

Noch ein angry white man, der sich zur Volksbühnen-Debatte meldet? Michael Schindhelm hat einen Roman geschrieben aus der Perspektive eines Chefdramaturgen kurz vorm Renteneintritt. Schauplatz ist unübersehbar jenes Theater, das gerade die deutschsprachigen Feuilletons aus dem Konzept bringt. Oder handelt es sich bei “Letzter Vorhang” um eine Realsatire? So oder so: Meine Sympathie für den Castorf-Nachfolger […]

Ich will Liebe zu dritt

… sangen Stereo Total und nahmen damit einen gesellschaftlichen Trend vorweg. “Wie wir lieben”, “What love is”, “Offen lieben” – wo kommen bloß all die Bücher über offene Beziehungen her? Lesen wollen sie alle, leben nur wenige. Für die Welt am Sonntag habe ich mich durch den Stapel an neuer und alter Ratgeberliteratur zum Thema […]

Kahl geschoren, die Augenlider verkrustet, Schweizer

… so beschreibt sich Tom Kummer als junger Mann. Später erlangt er zweifelhaften Ruhm als Vertreter eines extremen Gonzo-Journalismus. Jahrelang brachte er erfundene Interviews unter die Leute, konkret so namhafte Medien wie Tempo und die Süddeutsche Zeitung. Jetzt hat der Exil-Schweizer einen Roman veröffentlicht. Rettet ihn die Prosa vor weiteren Plagiatsvorwürfen? Eher als das wünscht […]

Nachsitzen

Wenn Erwachsene sich in Jugendliche versetzen, kann das zu sehr guten oder zu miserablen Zensuren führen. Bei John von Düffel ist letzteres der Fall. In seinem Roman “Klassenbuch” ist von “Hassboostern” die Rede, von “FuZos” und photoshop-fähigen Drohnen. Brabbelt so die Jugend von heute? Noch dazu ist die Handlung zäh wie eine Doppelstunde Deutschleistungskurs. Als Kritikerin muss […]

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Noch mal mit Gefühl

Vergessene PINs, auf links gedrehte Socken, Maggi pur: Was ist bloß mit diesen Männern los? 2016 war, jedenfalls literarisch gesehen, das Jahr der männlichen Empfindsamkeit. Für Zeit Online habe ich meinen Finger in die Wunde gelegt.

Kein Wunder

Der Wolf ist dem Autor ein Märchen: Für Nachtkritik habe ich den ersten Roman des Gegenwartsdramatikers Roland Schimmelpfennig gelesen. “An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts” ist unironisch klug konstruiert, aber auch ernsthaft unberührend. Und Wölfe in Berlin bestimmt schon gesichtet worden.

Es liegt nicht an Tinder, es liegt an Deinen Erwartungen

“Paul starrte auf eine Fläche aus Oberkörpern. Er wusste, dass er in vorherigen Beziehungen Unzufriedenheit in gewisser Weise als empirisch unterfütterten Enthusiasmus hinsichtlich einer möglichen Zukunft erlebt hatte, die eine zufriedenstellendere Beziehung zu jemandem versprach, den er noch nicht kennen gelernt hatte; in seiner Beziehung mit Michelle, der er sich näher fühlte als seinen vorherigen […]

Dann kratzte sie sich am Kopf, obwohl es nicht juckte

Dieses Buch ist ein Geschenk. Die Schenkende empfahl es als “befremdlich, abstoßend, aber im Nachhinein faszinierend.” Geschrieben hat es Miranda July. Alles, was die Autorin sonst so macht, ist großartig. Sie liefert Kreativität auf Rezept, bringt Fremde zum Sprechen und hat die Lösung für Smartphonesucht. “Der erste fiese Typ” ist Julys erster Roman. Wenn ein […]