Die geistige Leere schwarzer Löcher

Am Anfang von Yael Ronens neustem Stück “A Walk on the Dark Side” steht der Monolog eines Astrophysikers über Sternenstaub und Planksche Sekunden, dem natürlich niemand folgen kann. “Seid ihr auch alle ausgestiegen?”, fragt daraufhin dessen Bruder, seines Zeichens ebenfalls Wissenschaftler und TED-Talk-Redner. Das kann ja heiter werden, dachte ich mir. Wurde es nur bedingt. Eher hatten wir es mit einem Well made Play zu tun, das einen ähnlich kalt lässt, wie die unendlichen Weiten des Universums. Warum, habe ich bei Deutschlandfunk Kultur erklärt.

Ein bisschen Bitch muss sein

Viele Kunstwerke werden derzeit auf Spuren des Patriarchats abgeklopft. Die DDR-Ikone Christa Wolf war Avantgarde. Ihr Roman “Medea. Stimmen” erschien bereits 1996. Am Deutschen Theater hat Tilmann Köhler (ein Mann!) den Stoff inszeniert, mit einer soliden, etwas eindimensionalen Medea und einigen spannenden Nebenfiguren. Auch Männern! Warum es ohne die nicht geht und auch nicht ohne eine Prise Bitch, habe ich für Nachtkritik aufgeschrieben.

Saigon Kiss

Eigentlich wollte ich mich nicht noch mal tätowieren lassen. Dann kam der Vietnamurlaub und unsere tolle Idee, diesen wenigstens teilweise mit dem Motorroller zu bestreiten. Das hab ich jetzt davon: Eine Brandnarbe an der linken Wade. Die Einheimischen sprechen von Saigon Kiss. Wie es dazu kam, habe ich für die Welt am Sonntag aufgeschrieben.

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In den Keller gekehrt

Klassiker: Ulrich Seidls Im Keller. Austrophile wie ich wissen, dass es wirklich so ist mit den Österreichern und ihrer Tendenz, Dinge unter den Teppich zu sperren oder in den Keller zu kehren. Yael Ronen stammt aus Israel, hat aber österreichischen Wurzeln. Am Wiener Volkstheater inszenierte sie Gutmenschen, ein Stück, das nach dem „Das-wird-man-doch-noch-sagen-dürfen-Prinzip“ funktioniert. In weiten Teilen sehr gut, wie ich in der Welt befand. Weil es dort, wo es weh tut, oft sehr lustig ist.

Daddy Issues

Mareike Nieberding ist Journalistin, Aktivistin und Tochter. Über letzteres hat sie ein Buch geschrieben. „Ach, Papa“ umkreist das Verhältnis zu jemandem, der einem über die Jahre fremdgeworden ist. Das Vater-Tochter-Verhältnis ist ein Lieblingsthema der Psychologie, Stichwort Vaterkomplex oder, etwas heutiger ausgedrückt, Daddy Issues. Für den Fluter habe ich mit der Dreißigjährigen geskypt. Gerade ist sie mit ihrem Freund, der ebenfalls Journalist ist, von Hamburg nach München gezogen. Was ihr dort am besten gefällt: “Eataly. Da haben wir vergangenes Wochenende ein Vermögen ausgegeben.”

Vielleicht, vielleicht auch nicht

Wenn man als freie Autorin gefragt wird, ob man seine Meinung zu #metoo im deutschen Stadttheater zum Besten geben will, lehnt man nicht einfach ab. Vor allem nicht, wenn man gerade in Neukölln überteuerte Cocktails trinkt. Also habe ich nachgedacht, war mit Ersan Mondtag Kaffee trinken in Neukölln (gar nicht teuer), hab weiter nachgedacht, kam zu keiner endgültigen Meinung und habe dann trotzdem diesen Text geschrieben.

Quoten und Despoten

Bei unserem Treffen hatte Ersan Mondtag Blumen dabei. Hatten die etwas mit dem anstehenden Valentinstag zu tun? „Nö.“ Kurz zuvor hatte er einem Mann mit Kinderwagen die Tür des Neukölln Cafés aufgehalten. Das Enfant Terrible des deutschen Stadttheaters hatte ich mir anders vorgestellt. Nur dass er humpelte, passte zu seinem Image. Ein Probenunfall, bei dem er vor Wut gegen einen Sessel getreten und sich dabei den Zeh gebrochen hatte.  Das Interview erschien in der Berliner Zeitung.

Tischdeckengeister im Frühstückssaal

Die besten Sätze eines Texts stehen manchmal gar nicht drin. Kill your darlings nennt man diese Schreibtechnik. Zugegeben benutze ich sie nicht sehr oft, weil ich eitel bin und schöne Sätze sehr gerne mag. Im Fall der Premierenkritik von Hotel Strindberg am Wiener Akademietheater habe ich eine Ausnahme gemacht. Eine besonders schöne Szene war jene, in der Hotelgäste im Frühstückssaal saßen mit Tischdecken über dem Kopf. Warum? Weil es schön aussah. Ich musste an den Film A Ghost Story denken, den ich nicht gesehen habe und an Christoph Marthaler, der nie wieder in der Volksbühne inszenieren wird. Nichts davon steht in dem Text, den ich für die Welt geschrieben habe.

Es geht, wie gesagt, um mich

Eins, zwei oder drei? Für die Zeit habe ich mich mal wieder ausführlich mit mir selbst beschäftigt. Dieses Mal war der Aufhänger das Enneagramm, ein Persönlichkeitsmodell, dessen direkter Nachbar im Gefühlshaushalt die Esoschublade ist. Neun Typen gilt es zu unterscheiden, das kann schon mal ein paar Nächte/Semester/Lebensabschnitte dauern. Zum Glück habe ich es oft in Gesellschaft anderer Narzissten getan. Denn eines ist sicher: In ihrer Selbstbezogenheit ist meine Generation erstaunlich sozial.

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Endlich cool

Ein böser Scherz unter Kritikern: Wer will übers Berliner Ensemble schreiben? Wird ein freier Abend, weil man eh weiß, wie‘s werden wird. Dann kam die Spielzeit 2017/18. Von Inszenierungen mit magischer Schulklassenanziehungskraft zu Ersan Mondtag und Stefanie Reinsperger: Plötzlich kann ich Leute guten Gewissens ins BE schicken. Warum, habe ich für Traffic News To Go aufgeschrieben.

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