YouTube auf Amphetamin

Ironie des Internets, dass mein Artikel über die Berlin Biennale für Traffic News To Go nicht online ist. Ironie des Wohnortswechsels, dass ich mir die Ausstellungen nicht ansehen kann. Was wiederum zur These passt, dass “da sein” in Zeiten der Post-Internet Art nicht mehr so wichtig ist. Schließlich hat auch die zeitgenössische Kunst ihren Wohnort gewechselt: raus aus dem Museum, rein ins Netz.

 

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Schöne Grüße aus dem Jammertal

Zugegeben: Ich wünschte, ich wäre Klassenbeste in Physik gewesen. Dann hätte ich physikalische Ingenieurswissenschaften studiert und wäre bereits vor meinem Abschluss über Xing von Traumarbeitgebern abgeworben worden. Leider war ich besonders gut in Deutsch und Kunst und bin Journalistin geworden.

Wie das so ist als freie Journalistin, die sich die Hände wärmen muss am einzigen WLAN-inklusive-Kaffee des Tages, habe ich für ze.tt aufgeschrieben. 

 

Glocke, Bleistift, Einstecktuch

“Die Vorstellung einer Bella Figura, also der gesellschaftlichen Rolle, die ein jeder spielt, schwankt ja von Land zu Land erheblich”: Willkommen in Wien, wo ich für Nachtkritik die Premiere von Yasmina Rezas “Bella Figura” in der Regie von Dieter Giesing besprochen habe. Entschuldigung, aber es muss dabei auch um die Garderobe des Burgtheaterpublikums gehen.

Kein Wunder

Der Wolf ist dem Autor ein Märchen: Für Nachtkritik habe ich den ersten Roman des Gegenwartsdramatikers Roland Schimmelpfennig gelesen. “An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts” ist unironisch klug konstruiert, aber auch ernsthaft unberührend. Und Wölfe in Berlin bestimmt schon gesichtet worden.

Es liegt nicht an Tinder, es liegt an Deinen Erwartungen

“Paul starrte auf eine Fläche aus Oberkörpern. Er wusste, dass er in vorherigen Beziehungen Unzufriedenheit in gewisser Weise als empirisch unterfütterten Enthusiasmus hinsichtlich einer möglichen Zukunft erlebt hatte, die eine zufriedenstellendere Beziehung zu jemandem versprach, den er noch nicht kennen gelernt hatte; in seiner Beziehung mit Michelle, der er sich näher fühlte als seinen vorherigen Freundinnen – was er ihr mehrere Male wahrheitsgemäß gesagt hatte –, kam ihm die Unzufriedenheit wie eine persönliche Schwäche vor, ein direkter Indikator einer inneren Fehlfunktion, an deren Korrektur er im Stillen fokussiert arbeiten sollte. Stattdessen, das war ihm vage bewusst, wartete er darauf, dass Michelle – oder eine Kombination aus Michelle und der Welt – seine Negativität durchstand und überwand, dass sie zu der Lösung wurde, in der er sich unwiderruflich und rückstandslos auflösen könnte.”

Aus: Tao Lin, “Taipeh”

New sincerity

Aus unserer beliebten Serie Filme, die man schlimm finden will, aber es klappt nicht: Terrence Malicks “Knight of Cups”.

Story: nicht nachvollziehbar. Oder geht es um Peer Gynt? Anspruch: unerträglich prätentiös. Kameraführung: schlimmer als Fischauge. Frauenbild: wie schon beim letzten Mal eine Katastrophe.

Nein, man kann nicht alles sein, was man will. Nein, Lebenskonzepte werden im Imperativ (Fühle! Achte! Sei!) nicht automatisch wahrer. Nein, die Welt wird nicht durch Schönheit erlöst werden.

Trotzdem habe ich diesen Film geliebt. Wir tragen ja auch so viel Liebe in uns! Terrence Malick packt einen an Stellen, von denen man nichts wusste. Triggert Emotionen, gegen die kein Argument ankommt. Herz gegen Kopf: eins zu null. Bilder zum darin Ertrinken, eine verschwenderische Leinwandmeditation. Sinnlos wie das Leben. Puh. Super Soundtrack.

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Meta-Flittern

Eine Theaterkritikerin will den Lamettavorhang bei René Polleschs “Glanz und Elend der Kurtisanen” fotografieren. Sie wird von einer Volksbühnenmitarbeiterin von der Bühne gescheucht. Holy Shit! Anschließend geht sie nach Hause, um die Kritik zum Stück zu schreiben. Dabei hält sie in der linken Hand eine Zigarette und in der rechten eine Tasse Kaffee: ”

 

 

 

.” Richtig erkannt: Sie hat keine Hand frei zum Tippen. Das sind meist die allerbesten Kritiken.