Ich habe heute leider ganz viele Karten für Dich

Es gibt solche Theaterabende, da könnte man hinterher eine Therapiesitzung gut gebrauchen.

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Okay, das könnte ich sein. Bin ich deswegen ein boshafter Charakter? Das jedenfalls bescheinigte mir die Performance “Total Therapy”, die im Rahmen des Festivals “Save your Soul” an den Sophiensaelen gezeigt wurde. Obwohl ich mich in Durchgangszimmer einquartierte und beim Flirten niemals Eisbonbons verteilte, wanderten immer mehr Boshaftigkeitskarten in meinen Kartenhalter. Am zweiten Abend wurde ich dafür umso netter umsorgt von einem Care Boy, der meinen Boyfriend spielte. Wir haben sogar die Zeche geprellt, für ein bisschen Bonny und Clyde. Knutschen wollte ich trotzdem nicht. Der Rest steht bei Nachtkritik.

 

Endlich ich

Einatmen, ausatmen, Brunnenkresse-Birnen-Fenchel-Saft trinken und jeden Morgen eine „superschnelle Dankbarkeitsliste“. Ob es das ist, was Michel Foucault mit le souci de soi, der „Sorge um sich“, meinte? Fest steht, dass Self-Care das neue Lagom ist. Von beidem nie gehört? Dann wird es Zeit für die Lieblingskuscheldecke, für ätherische Öle ohne Duftzusatz und ganz viel Ego. Was nicht heißen soll, dass dann keine Zeit mehr für andere bleibt. Sagen jedenfalls Nadia Narain und Katia Narain Phillips, deren Buch ich für die Welt gelesen habe.

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Nein heißt manchmal alles Mögliche

Nun jährt sich die #metoo-Debatte. Erwartungsgemäß arbeitet eine Vielzahl von Romanen und Sachbüchern das Thema auf. Lesenswert ist Bettina Wilperts “Nichts, was uns passiert”, das ich für den Fluter besprochen habe. Das Erstaunliche an diesem literarischen Debut ist, neben seiner klugen Uneindeutigkeit und der nüchternen Erzählhaltung eines beteiligten Beobachters, dass Wilpert es geschrieben hat, noch bevor Weinstein zum Synonym für ich-nehme-mir-was-ich-will-Frauen-sowieso wurde. Dass diese Frauen allerdings nicht immer Opfer sind und Männer nicht immer Täter, wussten wir ja bereits.

Alle mal herhören, ich kriege gerade einen ANRUF rein

In Sachen Lärmbelästigung bin ich Wutbürgerin. Kann mir jemand erklären, warum Leute ihr Telefon nicht lautlos schalten? Oder schlimmstenfalls gar nicht wissen, wie das geht? Müssen sie der Welt zeigen, dass es sie gibt? Wollen sie, dass jemand ihre Klingeltöne analysiert, wie das meine liebe Freundin Sophia getan hat? Für die Welt habe ich mich in Versalien ausgelassen über ein furchtbares Phänomen unserer Zeit. Schon Sartre hatte die anderen im Sinn, als er an die Hölle dachte, und das war lange vor der Einführung des Motorola International 3200.

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Nach München!

In politischer Hinsicht macht die bayerische Hauptstadt wenig Spaß, umso mehr dafür, wenn es um Theater geht. Keine Spielzeitvorschau wirkt vielversprechender als die der Münchner Kammerspiele. Rimini Protokoll, Ersan Mondtag (mit dem ich in Kreuzberg Kaffee trinken war), Christopher Rüping (mit dem ich im Auftrag der Welt geskypt habe) und Susanne Kennedy (auch sie habe ich für die Welt porträtiert) zeigen dort neue Arbeiten. Auch toll: eine Faust-Interpretation in Anlehnung an Yung Hurn. Was uns Theaterzuschauern in den nächsten Monaten noch so alles bevorsteht, habe ich für Traffic News To Go aufgeschrieben.

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Cunnies googeln

Die Hölle ist los, wenn deutsche Inszenierungen nicht englisch übertitelt werden. Umgekehrt passiert nichts. Hätte ich den Text vorher nicht gelesen (journalistische Ehrensache), mir wäre wohl vieles entgangen an diesem Tanzabend im Deutschen Theater, auch Lustiges. Ziemlich sicher wussten nicht alle im durchschnittlich fünfundvierzig Jahre alten Publikum, was der Slangbegriff cunny bedeutet. Das Urban Dictionary klärt auf. Bei Nachtkritik steht, was ich sonst so hielt vom beim Berliner Tanz im August aufgeführten “17c”.

Für mich nur Wasser

Dieser Satz aus meinem Mund? Ja, wenn Detox-Dienstag ist. An einem solchen habe ich Sebastian Mergel getroffen, der in Berlin die Bierfabrik betreibt. Für seinen Podcast “Auf ein Bier mit” haben wir über Metoo, Wein ohne Schwefel und Gründe des Zuspätkommens (die bei mir eigentlich immer etwas mit Essen zu tun haben) gesprochen. Als Dankeschön gab es zwei Flaschen fassgereiftes Sauerbier. Normalerweise mag ich Bier nicht so gerne, aber diesem gebe ich eine Chance. Versprochen, Sebastian.

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Eh immer noch in Wien verliebt

In Wien riecht es überall nach Mehlspeisen, sogar im U-Bahnschacht. Pferde ziehen Kutschen und koten kaum, H&M-Filialen sehen aus wie Jungendstilvillen. Man empfängt den besten Radiosender der Welt. Es regnet praktisch nie! Zwar ist Yung Hurn weggezogen, dafür der Nino aus Wien dageblieben. Das Burgenland ist nah, die Weinberge auch und der Wiener Alpenbogen, falls man wirklich mal klettern will. Die ausgesprochen hässliche, von Hundertwasser gestaltete Müllverbrennungsanlage in Spittelau kann man ja meiden. Trends brauchen zwei Jahre länger als in Berlin, alle haben Zeit zu verplempern und meinen es eigentlich immer ernst, sogar bei Tinder.

Für Zeit Online habe ich meiner Wiensehnsucht freien Lauf gelassen. 

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Männer, die Fische kaufen

… kehren, ähnlich wie vom Zigarettenkauf, selten zurück. Das ist eine der vielen Moralen von Berthold Brechts Stück “Mann ist Mann”. Am Berliner Ensemble dient es als lose Rahmenhandlung für eine Werkstattinszenierung des Künstlers Olaf Nicolai, wobei Werkstatt wörtlich zu verstehen ist, denn Schauplatz ist ein KFZ-Betrieb am Prenzlauer Berg. Was ich bei “Brecht in der Autowerkstatt” gesehen und vor allem gerochen habe, steht in der Welt.

Fummeln wäre das Größte

Susanne Kennedy gehört für mich zu den interessantesten Regisseurinnen der Gegenwart. Nicht alles, was ich sah, mochte ich – schlimm etwa sind meine Erinnerungen an ihr niemals enden wollendes, an der Volksbühne gezeigtes Stück “Women in trouble” – aber Theater ist, finde ich, auch nicht dazu da, gemocht zu werden. Für Die Welt habe ich die gebürtige Friedrichshafenerin bereits vergangenes Jahr bei den Proben zu ihrem Stück “Die Selbstmord-Schwestern” an den Münchner Kammerspielen besucht. Jetzt wird das Stück bei den Wiener Festwochen gezeigt und ich hatte die Ehre, den Text für den Programmzettel schreiben zu dürfen.

“Vom männlichen Blick ist ja auch die Geschichte der Lisbon-Schwestern dominiert. Ihr Freitod ist ein Triumph über ein bigottes Elternhaus, eine der weiblichen Lust feindselig gestimmten Gesellschaft und vor allem den Besitzanspruch jener Nachbarsjungen, die tagein, tagaus von Lieblingsgerichten mit Fischaromen fabulieren. Fummeln wäre das Größte.”

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Man spricht Deutsch

Dea Loher hat nichts mit dem am Hut, was am Theater gerade so trendet. Keine Postdramatik, keine ironischen Textflächen, kein Geschlechtertohuwabohu, außerdem spricht man Deutsch.  Den Begriff politisches Theater findet sie “scheiße”. Trotzdem – oder gerade deswegen – kommt ihre Arbeit sehr, sehr gut an. Für Die Welt habe ich mit der mistgespielten deutschen Dramatikerin ein E-Mailgespräch geführt.

Liebe Deine Krise

“Meine Generation fragt sich, was das ist: Leben. Abgesehen davon eint sie eine Sehnsucht nach einer bürgerlichen Existenz, dem, was Sargnagel mit ‘Schrankwand’ meint. Man rebelliert gegen diese Spießigkeit und bedauert gleichzeitig die eigene Haltlosigkeit.”

Für das Festival Radikal jung am Münchner Volkstheater habe ich mit der tollen Regisseurin Christina Tscharyiski über unsere kleinen Krisen, ihre großen Erfolge – zum Beispiel das von Stefanie-Sargnagel-Texten inspirierte “Ja, eh! Beisl, Bier und Bachmannpreis”, das ich für die Welt besprochen habe – und die nachlassende Grantigkeit Wiener Kaffeehauskellner geplaudert. Und Wien. Ach, die Tschocherln! Ach, der Grind!

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Gut gelaunt? Heute schon

Kritiker sind von Natur aus grummlig und haben immer was zu meckern? Stimmt nicht. Entgegen der allgemeinen Meinung – der Schauspieler Fabian Hinrichs bekannte, sein Mitleid mit den Schauspielern sei groß, er habe viele Aufführungen vorzeitig verlassen und überhaupt sehr gelitten – hat mir die 55. Ausgabe gut gefallen. Wie viel Spaß Theater machen kann, fällt einem ja erst auf, wenn man mal welchen hat.

Zum Abschluss habe ich mich mit Janis El-Bira für den Theatertreffenblog zurückerinnert an einstürzende Bühnenneubauten (Christopher Rüpings “Trommeln in der Nacht”), Erbsenzähler vor dem Herrn (Ulrich Rasches “Woyzeck”) und ganz kurz auch an Joachim Meyerhoffs fotokopiertes Geschlechtsteil, weswegen ich mit Recht behaupten kann, einmal in einem Podcast das Wort “Penis” untergebracht zu haben.

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Kann denn Frausein Sünde sein?

Ein kleines, feines Buch, das mir sehr am Herzen liegt: Für Zeit Online habe ich Connie Palmens “Sünde der Frau” besprochen, in dem die Autorin die beängstigende These vertritt, dass weibliche Genies von unserer patriarchalen Gesellschaft zur Selbstzerstörung genötigt werden. Man kann nur hoffen, dass Palmen irrt. Und nicht oft genug dagegen anschreiben.

Fuck you, dann spiele ich Onkel Wanja eben mit Tränen in den Augen

Was macht man, wenn das Publikum an allem, was man tut, etwas auszusetzen hat? Auch und hauptsächlich, weil ihm nicht-heteronormative Körperbilder nicht gefallen? Und Akzente, die nicht nach AfD-Deutsch klingen? Man denkt Fuck you, richtet sein Krönchen und geht weiter seinen eigenen Weg. Dieser Weg hat Benny Claessen an viele große Theater geführt, er arbeitet mit den wichtigsten Regisseuren der Gegenwart zusammen. Beim diesjährigen Theatertreffen ist er zum dritten Mal dabei, mit einer unglaublichen, unglaublich überdrehten und mit dreieinhalb Stunden nicht einer Schnappatmung zu kurzen Inszenierung von Elfriede Jelineks “Am Königsweg”.

Für die Jubiläumsausgabe des Theatertreffenblogs habe ich den Schauspieler mit der beeindruckenden Mischung aus Verletzlichkeit und Don’t give a shit-Attitüde auf einen Cappuccino im Kreuzberger Café Südblock getroffen. Es ging um jemenitische Girlbands, missglückte Tätowierungen und einen Bruder, der Lieder über weibliche Hintern singt.

Fleckenfreies Kunstblut

Letztes Jahr hatte ich das Glück, an den Münchner Kammerspielen einen ganz und gar ungewöhnlichen “Hamlet” zu sehen. Wir saßen in der zweiten Reihe – oder war es die erste? – also nicht weit genug hinten, um vom Kunstblut verschont zu bleiben. Und ja, es fließt, tropft und spritzt viel Kunstblut in dieser Inszenierung, die Süddeutsche Zeitung spricht von 240 Litern. Nach dem Stück kamen wir mit einer Bühnenmitarbeiterin ins Gespräch – oder war es die Requisiteurin Dagmar Dudzinski persönlich? – die mit ein bisschen Wasser sämtliche Flecke aus unserer Kleidung entfernte. Ich fand ja, dass das Kunstblut nach Lebkuchen roch, tatsächlich basiert das Spezialrezept auf Roter Bete. Anlässlich des Berliner Theatertreffens durfte ich nun den Regisseur der “Hamlet”-Inszenierung für die Welt porträtieren. Bei der Vorabrecherche bin ich auf einen meiner eigenen Texte gestoßen, in dem eine frühere Inszenierung von Christopher Rüping nicht ganz so gut wegkommt. Seine “Trommeln in der Nacht” hingegen mochte ich wieder. So ist das bei einem Künstler, der sich für jede Arbeit neu erfindet.

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Rote-Bete-Massaker: die Bühne der Münchner Kammerspiele nach Christopher Rüpings “Hamlet”-Inszenierung

Theater, das die Welt braucht

Auch dieses Jahr versammelt das Berliner Theatertreffen die zehn bemerkenswertesten Inszenierungen. Eine davon kenne ich bereits von meiner Nachtkritik aus Wien; sie gehört zu meinen absoluten Favoriten des Jahres 2017. Für die Berliner Zeitung habe ich noch mal aufgeschrieben warum:

Ist die Welt krank, oder bin ich es? Kaum einer kann diese Frage besser bespielen als Joachim Meyerhoff. Aufgewachsen in der elterlichen Psychiatrie, hat er diese Erfahrung in autobiografischen Büchern verarbeitet. Hier verkörpert er den Autor Thomas Melle, der diesem tragischen Zwiespalt ausgesetzt ist. Melle ist bipolar, sein Leben pendelt zwischen Kopf-in-den-Wolken und Kopf-in-der-Schlinge. Drei Stunden lang spielt sich Meyerhoff, der zu den im positiven Sinn verhaltensauffälligsten Schauspielern der Gegenwart zählt, in Jan Bosses Inszenierung selbst an die Wand, den Pingpongtisch, das Ariadnelabyrinth. Die Welt ist krank, und Hoffnung lauert überall, wo so Theater gemacht wird.

Schade, dass der Tod so kurz kommt

Ferdinand Schmalz gehört für mich zu den spannendsten Autoren des zeitgenössischen Theaters. Sein Siegertext beim Bachmann-Wettbewerb hat mich theoretisch und praktisch umgehauen. Jetzt hat der Grazer für das Burgtheater eine neue Version des Jedermann geschrieben. Leider ist  Stefan Bachmanns Inszenierung von Jedermann (stirbt), über die ich für die Welt berichtet habe, sehr, sehr, sehr offensichtlich geldgeil und fehlt der morbide Charme der Vorlage fast komplett. Was soll’s: Jedermann ist mal nicht in Hochform.

Die geistige Leere schwarzer Löcher

Am Anfang von Yael Ronens neustem Stück “A Walk on the Dark Side” steht der Monolog eines Astrophysikers über Sternenstaub und Planksche Sekunden, dem natürlich niemand folgen kann. “Seid ihr auch alle ausgestiegen?”, fragt daraufhin dessen Bruder, seines Zeichens ebenfalls Wissenschaftler und TED-Talk-Redner. Das kann ja heiter werden, dachte ich mir. Wurde es nur bedingt. Eher hatten wir es mit einem Well made Play zu tun, das einen ähnlich kalt lässt, wie die unendlichen Weiten des Universums. Warum, habe ich bei Deutschlandfunk Kultur erklärt.

Ein bisschen Bitch muss sein

Viele Kunstwerke werden derzeit auf Spuren des Patriarchats abgeklopft. Die DDR-Ikone Christa Wolf war Avantgarde. Ihr Roman “Medea. Stimmen” erschien bereits 1996. Am Deutschen Theater hat Tilmann Köhler (ein Mann!) den Stoff inszeniert, mit einer soliden, etwas eindimensionalen Medea und einigen spannenden Nebenfiguren. Auch Männern! Warum es ohne die nicht geht und auch nicht ohne eine Prise Bitch, habe ich für Nachtkritik aufgeschrieben.

Saigon Kiss

Eigentlich wollte ich mich nicht noch mal tätowieren lassen. Dann kam der Vietnamurlaub und unsere tolle Idee, diesen wenigstens teilweise mit dem Motorroller zu bestreiten. Das hab ich jetzt davon: Eine Brandnarbe an der linken Wade. Die Einheimischen sprechen von Saigon Kiss. Wie es dazu kam, habe ich für die Welt am Sonntag aufgeschrieben.

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In den Keller gekehrt

Klassiker: Ulrich Seidls Im Keller. Austrophile wie ich wissen, dass es wirklich so ist mit den Österreichern und ihrer Tendenz, Dinge unter den Teppich zu sperren oder in den Keller zu kehren. Yael Ronen stammt aus Israel, hat aber österreichischen Wurzeln. Am Wiener Volkstheater inszenierte sie Gutmenschen, ein Stück, das nach dem „Das-wird-man-doch-noch-sagen-dürfen-Prinzip“ funktioniert. In weiten Teilen sehr gut, wie ich in der Welt befand. Weil es dort, wo es weh tut, oft sehr lustig ist.

Daddy Issues

Mareike Nieberding ist Journalistin, Aktivistin und Tochter. Über letzteres hat sie ein Buch geschrieben. „Ach, Papa“ umkreist das Verhältnis zu jemandem, der einem über die Jahre fremdgeworden ist. Das Vater-Tochter-Verhältnis ist ein Lieblingsthema der Psychologie, Stichwort Vaterkomplex oder, etwas heutiger ausgedrückt, Daddy Issues. Für den Fluter habe ich mit der Dreißigjährigen geskypt. Gerade ist sie mit ihrem Freund, der ebenfalls Journalist ist, von Hamburg nach München gezogen. Was ihr dort am besten gefällt: “Eataly. Da haben wir vergangenes Wochenende ein Vermögen ausgegeben.”

Vielleicht, vielleicht auch nicht

Wenn man als freie Autorin gefragt wird, ob man seine Meinung zu #metoo im deutschen Stadttheater zum Besten geben will, lehnt man nicht einfach ab. Vor allem nicht, wenn man gerade in Neukölln überteuerte Cocktails trinkt. Also habe ich nachgedacht, war mit Ersan Mondtag Kaffee trinken in Neukölln (gar nicht teuer), hab weiter nachgedacht, kam zu keiner endgültigen Meinung und habe dann trotzdem diesen Text geschrieben.

Quoten und Despoten

Bei unserem Treffen hatte Ersan Mondtag Blumen dabei. Hatten die etwas mit dem anstehenden Valentinstag zu tun? „Nö.“ Kurz zuvor hatte er einem Mann mit Kinderwagen die Tür des Neukölln Cafés aufgehalten. Das Enfant Terrible des deutschen Stadttheaters hatte ich mir anders vorgestellt. Nur dass er humpelte, passte zu seinem Image. Ein Probenunfall, bei dem er vor Wut gegen einen Sessel getreten und sich dabei den Zeh gebrochen hatte.  Das Interview erschien in der Berliner Zeitung.